linz & wien austria Sat, 31 Jul 2010 10:50:08 +0200

Die Opfer der Industriellenvereinigung haben Gesichter

Vor zehn Jahren erklärten uns die Propheten der Globalisierung, dass wir Lohnzurückhaltung üben müssten, dann würden wir den Standort verbessern, Arbeitsplätze und Reichtum anziehen.

Nun wissen wir: Seit 1994 sind die Reallöhne für die untersten 80% aller ÖsterreicherInnen um durchschnittlich 1,4% gesunken. Trotzdem haben wir mehr Arbeitslose. Die Propheten von damals hatten einfach unrecht.

Die Propheten von heute sind im Vergleich ordentlich realistischer: Industriellen-Chef Veit Sorger sagt unverblümt, dass wir ums selbe Geld mehr arbeiten sollten, damit wir die Arbeitsplätze zumindest halten. Zumindest einigermaßen ehrlich ist er im Vergleich zu seinen Vorgängern.

Hinter der Empfehlung zu unbezahlter Mehrarbeit steht aber noch die unverblühmte Drohung, was passiert, wenn wir uns weigern: Wenn wir unsere Gürtel nicht selber enger schnallten, dann täten dies andere, und wer weiß, wie fest die anziehen. Wer diese anderen sind, darüber schweigt sich Sorger lieber aus. Es wäre unangenehm, sich selbst und seine Eigentümer auf den Finanzmärkten beim Namen zu nennen.

Nur wird Österreich noch immer jedes Jahr ein kleines Bisschen reicher. In solchen Zeiten trägt Sorgers Ausritt auch noch eine andere Botschaft: Wenn ihr unsere hohen Rediten nicht weiter sicher stellt (zum Beispiel durch unbezahlte Mehrarbeit), dann nehmen wir Euch das Geld dafür einfach weg. Der „Sozialkonsens“ des 21. Jahrhunderts ist damit gefährlich nahe am Feudalsystem des Mittelalters.

Aber wer verliert, wenn wir mehr arbeiten ums selbe Geld? Eine Studie der BAT (Der Standard berichtete) zeigt sie: Die Verlierer von Sorgers Anschlag sind unsere Kinder, unsere Freunde, unsere Familien und unser Wohlbefinden. Freizeit wird zur Mangelware des 21. Jahrhunderts. Manchmal braucht es eine teure Studie, um das offensichtliche fest zu stellen.

(BAT-Studie: Standard vom 28.-29. August, C1)