Wer macht Politik? Institutionen!
Der "Goverance Approach" ist ein Forschungsansatz aus den qualitativen Sozialwissenschaften zur Untersuchung von institutionellen Strukturen der Wirtschaft
Governance (Wirtschaftslenkung im weitesten Sinne) macht nicht der Staat (zumindest nicht alleine), Unternehmen sind nicht "die Wirtschaft" (zumindest nicht alleine), und wirtschaftspolitische Systeme kann ich nicht "machen", ich kann nur in bestehende Systeme intervenieren. Wie und mit welchen Folgen, das zeigt die Governance-Forschung. Der institutionalistische Zugang des Governance Approach wird in den Industriebeziehungen eingesetzt. Hauptarbeit von Claus Faber ist die erstmalige Anwendung im Bereich öffentlicher Güter, und hier primär im öffentlichen Verkehr.
Im Rahmen des Institutionalismus gibt es insgesamt drei verschiedene Strömungen: Aus der Ökonomik stammen die „alten“ (Commons, Veblen, Hodgson) und „neuen“ Institutionalisten (North, Williamson, Coase). Aus der Sozio-Ökonomie stammt die Korporatis-musforschung (Schmitter), die später in den Governance Approach übergegangen ist (Schmitter, Streeck, Hollingsworth). Die Forschung zu Social Systems of Production (Hollingsworth, Boyer) liegt in der Mitte zwischen den „alten“ Institutionalisten und der Governance-Forschung und bezieht Anregungen aus der französischen théorie de la régulation mit ein.
Der Governance Approach untersucht die wirtschaftspolitische Steuerung von Ländern und Sektoren, wobei sowohl öffentliche als auch private Institutionen beteiligt sein können. Er unterscheidet bei den Akteuren zwischen Hierarchien (private und öffentliche), Verbänden, Netzwerken und Gemeinschaften („community“). Als Handlungsmotive betrachtet der Governance Approach neben partikularistischen Interessen neoklassischer Prägung Vertrauen und Verbindlichkeit (commitment). Die Prozesse werden ebenfalls vielschichtiger behandelt: Märkte sind kein Referenzbezug wie in der Neoklassik, sondern bewusst geschaffene Prozesse innerhalb klar abgegrenzter Rahmenbedingungen. Dadurch sind Märkte Institutionen selbst neben vielen anderen Institutionen, in denen Tausch und Güterallokation betrieben wird.
Der Governance-Approach geht davon aus, dass institutionelle Regimes der governance pfadabhängig und umfeldabhängig sind und sich nationale, regionale, sektorale und kulturelle Unterschiede ergeben. Ein „bestes“ System der governance ist daher kein definiertes Modell, sondern ein System, das sich optimal in seine Geschichte und sein Umfeld einpasst.
Bisher wurde der Governance Approach vor allem in industriepolitischen Bereichen ein-gesetzt. Die Governance-Forschung verfolgt hiebei zwei verschiedene, aber komplementäre Ansätze: Die Erklärung nationaler Unterschiede und die Erklärung sektoraler Unterschiede. Die Forschung über nationale Gover-nance-Stile zeigt deutliche Anzeichen für spe-zifische nationale Governance-Regimes: In Europa können (neben einigen wenigen Ausnahmen) drei typische Regimes festgestellt werden: das „marktwirtschaftliche“, das „etatistische“ und das „korporatistische“ Re-gime. Zeichen von Konvergenz nationaler Regimes sind sowohl weltweit als auch inner-halb Europas bis dato uneinheitlich: Von einem generellen Trend zur „Europäisierung“ kann nicht ausgegangen werden. Die Sektorforschung zeigt, dass verschiedene Sektoren unterschiedlich gesteuert sein können, deren Ursachen meist in Technologie und Pfadabhängigkeit zu finden sind.

