linz & wien austria Sat, 31 Jul 2010 10:52:17 +0200

Der Governance Approach und seine Anwendung

Diplomarbeit an der Wirtschaftsuniversität Wien

Ziel der Diplomarbeit ist es, Grundlage für eine empirische Untersuchung des öffentlichen Personennahverkehrs verschiedener Länder zu schaffen, der über einen neoklassischen und Marktversagensansatz hinausgeht.

Ziel der Diplomarbeit ist es, Grundlage für eine empirische Untersuchung des öffentlichen Personennahverkehrs verschiedener Länder zu schaffen, der über einen neoklassischen und Marktversagensansatz hinausgeht. Die eigentliche empirische Arbeit soll im Rahmen einer Dissertation erfolgen.

Der erste Teil arbeitet die theoretischen Grundlagen heraus: Einerseits die neoklassische Wettbewerbstheorie mit den Weiterentwicklungen „umkämpfte Märkte“ und „funktionierender Wettbewerb“. Dann gibt sie einen Überblick über die Wurzeln und die Entstehung des Governance Approach und die Beschreibung des Betrachtungsfelds, der Methodik und der Grundaussagen. Der zweite Teil stellt die bisherigen Anwendungen dar und analysiert jene Faktoren, die bei der Anwendungen in neuen Bereichen zu beachten sind.

Die neoklassische Wettbewerbstheorie basiert auf dem walrasianischen Gleichgewicht. Hauptimplikation ist die Aussage, dass der Staat lediglich als Korrektor bei Marktversagen eingreifen darf. Als Gründe für Marktversagen werden einerseits Pareto-Ineffizienzen (Monopole und Oligopole, Eintrittsbarrieren, öffentliche Güter, Externalitäten, unvollständige Märkte und Informationsmängel) angegeben, andererseits wird Marktversagen im weiteren Sinn behandelt (Umverteilungsprobleme, meritorische Güter).

Im Rahmen des Institutionalismus gibt es insgesamt drei verschiedene Strömungen:

  Aus der Ökonomik stammen die „alten“ (Commons, Veblen, Hodgson) und „neuen“ Institutionalisten (North, Williamson, Coase).

  Aus der Sozio- Ökonomie stammt die Korporatismusforschung (Schmitter), die später in den Governance Approach übergegangen ist (Schmitter, Streeck, Hollingsworth).

  Die Forschung zu Social Systems of Production (Hollingsworth, Boyer) liegt in der Mitte zwischen den „alten“ Institutionalisten und der Governance- Forschung und bezieht Anregungen aus der französischen théorie de la régulation mit ein.

Der Governance Approach untersucht die wirtschaftspolitische Steuerung von Ländern und Sektoren, wobei sowohl öffentliche als auch private Institutionen beteiligt sein können. Er unterscheidet bei den Akteuren zwischen Hierarchien (private und öffentliche), Verbänden, Netzwerken und Gemeinschaften („community“). Als Handlungsmotive betrachtet der Governance Approach neben partikularistischen Interessen neoklassischer Prägung Vertrauen und Verbindlichkeit (commitment). Die Prozesse werden ebenfalls vielschichtiger behandelt: Märkte sind kein Referenzbezug wie in der Neoklassik, sondern bewusst geschaffene Prozesse innerhalb klar abgegrenzter Rahmenbedingungen. Dadurch sind Märkte Institutionen selbst neben vielen anderen Institutionen, in denen Tausch und Güterallokation betrieben wird.

Der Governance-Approach geht davon aus, dass institutionelle Regimes der governance pfadabhängig und umfeldabhängig sind und sich nationale, regionale, sektorale und kulturelle Unterschiede ergeben. Ein „bestes“ System der governance ist daher kein definiertes Modell, sondern ein System, das sich optimal in seine Geschichte und sein Umfeld einpasst.

Bisher wurde der Governance Approach vor allem in industriepolitischen Bereichen eingesetzt. Die Governance-Forschung verfolgt hiebei zwei verschiedene, aber komplementäre Ansätze: Die Erklärung nationaler Unterschiede und die Erklärung sektoraler Unterschiede. Die Forschung über nationale Governance- Stile zeigt deutliche Anzeichen für spezifische nationale Governance- Regimes: In Europa können (neben einigen wenigen Ausnahmen) drei typische Regimes festgestellt werden: das „marktwirtschaftliche“, das „etatistische“ und das „korporatistische“ Regime. Zeichen von Konvergenz nationaler Regimes sind sowohl weltweit als auch innerhalb Europas bis dato uneinheitlich: Von einem generellen Trend zur „Europäisierung“ kann nicht ausgegangen werden. Die Sektorforschung zeigt, dass verschiedene Sektoren unterschiedlich gesteuert sein können, deren Ursachen meist in Technologie und Pfadabhängigkeit zu finden sind.

Weiterführende Dokumente...