linz & wien austria Sat, 31 Jul 2010 10:50:49 +0200

Die im Käfig und die davor

Ein Bericht über den Zirkus um das World Economic Forum in Salzburg

Es ist schon ein Stück wie der "Jedermann", das jeden Herbst in Salzburg aufgeführt wird: Das World Economic Forum und seine Gegner. Aber worum geht es in diesem Disput?

Der WEF-Europagipfel und seine Gegner - das ist schon bald ein Ritual: Man trifft sich beinahe zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt. Den einen gehört das Andräviertel um das Kongresshaus, das für drei Tage in einen riesigen Käfig verwandelt wird, bewacht von dreitausend Polizisten und Gendarmen aus ganz Österreich. Den anderen gehört die restliche Stadt. In die Medien wollen sie beide, um zu erklären, wer sie sind. Das WEF sagt, ein nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein zu sein, der für die Verbesserung der Welt arbeitet.

Seine Gegner sagen, das WEF sei eine hochrangige, hochpreisige Lobbying-Institution der 1.000 größten Unternehmen der Welt, die alle Jahre ein Dutzend Staatschefs zu sich zitieren, um ihnen zu sagen, was sie zu machen haben.

Jede Minute sterben zwei Kinder an Malaria, sagte Sabine Kampmüller von "Ärzte ohne Grenzen”. Bis zum nächsten Treffen des World Economic Forum in einem Jahr werden dies mehr als eine Million Kinder sein. Und einmal mehr wird das Ritual in Salzburg statt finden: Die Teilnehmer des WEF werden sich im Käfig hinter 3000 Polizisten einig sein, dass die Globalisierung die einzige Möglichkeit ist, dies zu verhindern. Die Leute vor den Polizeigittern werden aufs neue "Verrat” schreien und sagen, Globalisierung sei nicht die Lösung, sondern das Problem. An die sterbenden Kinder haben sich die meisten schon gewöhnt. Vielleicht gewöhnen wir uns ja auch -- an dieses Ritual.

Zu dieser Sendung...


Journal Panorama vom 18.9.2002 in Radio Österreich 1