Hammertour
Lokführer werden ist der größte Bubentraum. Aber der Lack blättert ab. Aus den einstigen Herren der Schiene wurden Handlanger von Maschinen.
Hannes drückt an seinem Mobiltelefon herum. »Des is mei Stechuhr«, sagt er. Eine Nummer anrufen, sich durch drei Menüs wählen, und dann bestätigt eine Computerstimme, dass er zum Dienst erschienen ist. Ein kurzer Sprung zum Personaleinsatzleiter an den Computerbildschirm, drei rasche Grüße in den Aufenthaltsraum. Zehn Minuten ist dafür Zeit, steht auf seinem Dienstplan. Dann geht’s zum Bahnsteig 7, wo der Zug kommt, den er weiterfährt. Dafür stehen neun Minuten im Dienstplan. Wenn irgendetwas daneben geht, wird es eng. Eigentlich heißt er ja anders, aber seinen wirklichen Namen will er nicht in der Zeitung stehen haben, und sein Foto auch nicht, sonst … es folgt eine eindeutige Handbewegung. ÖBB-MitarbeiterInnen haben nämlich einen Maulkorb. Aber so wie er daher kommt, in der halblangen Hose, dem T-Shirt, graubraunen Haaren, um die 40, könnte er Hannes heißen, also nennen wir ihn so.
(Den Volltext gibt es in der Online-Version des Magazins Arbeit und Wirtschaft)
Anmerkung November 2009: In diesem Artikel vom Juli 2008 ist bereits von den ominösen "Krankenrückkehrgesprächen" die Rede. Mittlerweile ist der Skandal geplatzt: Systematisch wurden Krankendiagnosen gesammelt und im SAP-System gespeichert.
Die - arbeitsrechtlich schwer anrüchigen - Krankenrückkehrgespräche waren schon bekannt. Die enormen Rechtsverletzungen, die mit den Informationen aus diesen Gesprächen begangen wurden, wurden erst 2009 publik.


