linz & wien austria Sat, 31 Jul 2010 10:49:53 +0200

Synergien für Renditejäger

Alle sollen fusionieren, nur öffentliche Unternehmen nicht.

Freitag 30. jänner 2004

Sie werden zerschlagen in "profitabel" und "unprofitabel", obwohl die Leistungen genau gleich sind: Öffentliche Dienste. Wer zahlt die verlorenen Synergien?

Wenn der Infrastrukturmulti RWE die britische Thames Water oder Glaxo Wellcome aufkauft, dann hört man, dass sie das wegen bedeutender Synergien tun. Das gleiche sagt die österreichische Mobilkom, wenn sie sich mit Vodaphone einlässt, und die EU-Kartellwächter stehen da und sehen zu, wie in Europa ein Industrieoligopol nach dem anderen entsteht. "Synergie" gilt als Zauberwort, um (so sagt man zumindest) die europäische Industrie wettbewerbsfähig zu machen für den internationalen Kampf, der schon lange zwischen Industrieräumen tobt.

Wenn Infrastruktur-Staatssekretär Kukacka die ÖBB in eine lose Holding verwandelt, um Teile davon herauslösen zu können, dann spricht man nicht von Synergien. Kein Wunder, denn man ruiniert ja dabei Milliardenbeträge. Wenn der Postbereich Brüsselerseits zerschlagen wird, dann ist auch nicht von Synergien die Rede. Da ist plötzlich der "Marktzugang" die herrschende Religion.

Eine eigenartige Argumentationsweise: Fast alle Infrastrukturbereiche bestanden bis jetzt aus profitablen und nichtprofitablen Bereichen: Historisch aus "Regalien" (exklusiven Rechten mit Pflichten) entstandene Gesamtunternehmen hatten zur Aufgabe, einen Sektor zu managen, in dem zwar die Leistung die Gleiche ist, aber einfach nicht überall profitabel.

Nun teilt man diese Sektoren auseinander, lässt bei den profitablen die Luft raus (das bringt dann Preissenkungen vor allem für die Großen - siehe Strommarkt), und die unprofitablen hängt man dann ausgequetscht wie einen nassen Putzfetzen dem Staat um. Der soll dann um mehr Geld als zuvor die Infrastruktur erhalten, auf der dann andere ihr Tänzchen wagen. Verloren gehen dann die sogenannten Synergien, denn sie sind keine Synergien für den Kapitalmarkt, sondern Synergien für die Gemeinschaft.

Die Zeche zahlen die Kunden, die BürgerInnen, und - letzten Endes auch die Unternehmen. Wann wollte die Industriellenvereinigung die nächste Steuersenkung? Sie könnte bei der RWE um die Finanzierung schnorren.

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erschien als "fremde Feder" im Standard online / investor